© Foto Christian Brunnthaler

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Füreinander leben

Gründonnerstag 2019

Predigt von Diözesanbischof Dr. Wilhelm Krautwaschl bei der Messfeier vom Letzten Abendmahl am Gründonnerstag 18. April 2019 im Dom zu Graz

1. "Sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt", haben wir in der Lesung aus dem 1. Korintherbrief gehört. Das also, was wir hier über 2000 Jahre nach dem "Letzten Abendmahl" tun, ist nicht bloß Feier in Erinnerung an ein Ereignis, das irgendwann einmal stattgefunden hat. Es ist Leben und damit auch Verkündigung des Glaubens. An einem Beispiel sei dies ausgeführt:

2. Uns sind die Worte des Priesters über den Kelch bei der Wandlung bekannt. Dort heißt es u. a.: "Das ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes, mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Tut dies zu meinem Gedächtnis." Viele Jahre hindurch waren mir diese Worte bloß klarer Verweis darauf, dass wir das Gedächtnis Jesu oft und oft zu feiern hätten, indem wir den Kelch in der Messe weiterreichen. Während meines Studiums aber wurde mir ein anderer, tiefer gehender Sinn dieser Worte erschlossen. Grammatikalisch nämlich bezieht sich das Wort des Herrn "Tut dies zu meinem Gedächtnis!" eigentlich auf das Vergießen des Blutes. Dies gilt es also dem Evangelium entsprechend zu leben: "Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt" (Joh 15,13).

3. Wenn in der Zeichenhandlung, die wir heute und hier in Erinnerung an das von uns so genannte "Letzte Abendmahl" begehen, demnach wirklich die Hingabe Jesu Christi gefeiert wird, die sich am Karfreitag und damit am Kreuz vollendet hat, dann wird somit eine Tiefendimension unseres Christseins aufgeschlossen, die uns unsere Berufung in dieser Welt deutlich vor Augen führt. Nicht dort, wo wir uns selbst behaupten, weil wir die "Kirche" retten müssen, nicht dort wo wir uns selbst gut darstellen (wollen), sind wir als Christen gefragt, sondern viel mehr dort, wo wir uns aus Liebe verschenken, dort wo wir das Maß an Hingabe anlegen, die uns unser Herr und Meister vorgelebt hat. Wenn ich mein eigenes Dasein daraufhin überprüfe, muss ich sagen: "Ich bin erst am Anfang des Weges auf die Heiligkeit zu". Und daher mühe ich mich mit allem, was mir möglich ist, einen kleinen oder mitunter auch größeren Schritt auf diesem Weg voranzukommen. Nur so entsprechen wir dem Auftrag des Herrn.

4. Billiger ist Christsein nicht zu haben als damit, dass wir bereit sind, füreinander das Leben zu geben. Auch wenn dies zu bedenken uns in den vergangenen Jahrhunderten nicht notwendig war, weil Christ zu sein in unseren Breiten selbstverständlich war: diese Dimension unseres Wesens zu leben wird uns im Heute unserer Tage mehr und mehr abverlangt. Kein Wunder, dass so manche da nicht mitgehen können oder wollen. Aber: es ist der Weg zur Fülle, es ist der Weg zum wahren Leben. Die Tage des Leidens, Sterbens, der Grabesruhe und der Auferstehung unseres Herrn verdeutlichen diese Wurzel unseres Lebens und Glaubens. Leben wir aus ihr!


Die Lesungen der Abendmahlsmesse.
1. Lesung: Ex 12,1–8.11–14;
2. Lesung: 1Kor 11,23–26;
Evangelium: Joh 13,1–15





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