© Foto Christian Brunnthaler

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Josef, der Mann aus Nazareth

4. Adventsonntag

"Tauet, ihr Himmel, von oben, ihr Wolken regnet den Gerechten: Es öffne sich die Erde und sprosse den Heiland hervor." Mit diesen bezeichnenden und eindringlichen Worten beginnt der letzte Sonntag vor Heiligabend und Weihnachten. Die Zeit, dass der Heiland kommt, ist fast da.

Predigt von Dompfarrer und Bischofsvikar Heinrich Schnuderl zum 4. Adventsonntag 2019

Lesungen: Jes 7, 10-14; Röm 1, 1-7; Evangelium: Mt 1, 18-24

Der Advent hat in der kirchlichen Tradition hat als Vorbereitung auf Weihnachten zunächst den Akzent der Umkehr und Buße. Wir schauen und hören hin auf Johannes den Täufer, der als Vorläufer – wir kennen den Begriff aus dem Sport -, als Wegbereiter für den Messias zur Umkehr aufgerufen hat. Im Advent werden wir zunächst nicht auf die Geburt Jesu, sondern auf sein Wiederkommen am Ende der Tage verwiesen. Wir sind mit dem Aufruf des Johannes gemeint, wir sollen uns bereit machen, Christus zu begegnen. Jedem und jeder von uns steht diese Begegnung im Tod noch bevor.

  1. Dann haben wir aber am vergangenen Sonntag auch die Aufforderung zur Freude bekommen: Gaudete! Freuet euch der Herr ist nahe!

Im Advent sollen wir auch die Freude unseres Glaubens erneuern, dass Christus, der Retter, schon gekommen ist – so werden wir in ein paar Tagen singen „Christus, der Retter ist da!“ -, dass er einem jeden ganz nahe ist: „In ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir!“ – Auf beides: das „schon“ und das „noch nicht“ führt uns der Advent hin.

Die Liturgie stellt uns in dieser Zeit Menschen vor Augen, an denen wir erfahren können, wie wir gläubig damit umgehen sollen: Johannes, den Täufer, und Maria, die Mutter des Herrn; aber auch die Heiligen unserer Kirche: z.B. den großen Missionar Franz Xaver und den hl. Bischof Nikolaus. Sie sind uns Orientierung für unser Leben. Heute am letzten Sonntag der Adventzeit ist es der hl Josef. Alljährlich am 19. März gedenken wir zwar seiner als unserem Landespatron, heute tritt er uns aber entgegen in seiner heilsgeschichtlichen Aufgabe.

  1. Ja: Josef, der Mann aus Nazareth, ist eine historische biblische Gestalt, die zum Evangelium gehört.

Ganz am Anfang des Matthäusevangeliums, aus dem wir heuer vornehmlich die Frohe Botschaft verkündet bekommen, wird er genannt, und es wird von ihm bezeugt, dass er „gerecht“ war. Dieses Wort – „gerecht, sadik, dikaios“ ist der Inbegriff eines in der gläubigen Tradition seines Volkes lebenden Juden. Das heißt: Josef war ein „Hörer des Wortes Gottes“, entsprechend dem täglichen jüdischen Gebet des „Sch‘ma Israel“, „Höre, Israel!“. In sein Leben hat Gott eingegriffen – und Josef hat gläubig die Weisung Gottes angenommen. Und er war „gerecht“ – nicht im Sinn einer seelenlosen Gesetzlichkeit, die der schwangeren Maria das Urteil der Steinigung zugedacht hätt – sondern nach dem Maß Gottes: barmherzig.

Seine Aufgabe –der Tradition und dem Gesetz entsprechend - war, dem Kind Mariens auch den Namen zu geben. So wurde er zum ersten Boten des Evangeliums, denn der Name Jesus bedeutet „Jahwe rettet“.

Josef wird im Evangelium als „Sohn Davids“ angesprochen. Schon von der ersten Zeile seine Evangeliums an verweist Matthäus, der Evangelist, darauf, dass Jesus gekommen ist, die Hoffnungen, die mit der Erinnerung an den König David verbunden sind, zu erfüllen: er ist gesalbt, beschenkt mit dem Geist Gottes, das Volk zur Einheit zu führen, und das Reich Gottes auszurufen.

  1. Inwiefern kann Josef, dem ja wie Maria eine einmalige Rolle im Heilsgeschehen zugekommen ist, für uns Orientierung im Advent und für unser Leben sein?

Ich erinnere mich an eine Weihnachtsdarstellung auf einem romanischen Kapitell in der Kirche von Vezelay in Burgund: Josef ist dort neben Maria und dem Neugeborenen scheinbar unbeteiligt, aber mit großen Augen schauend dargestellt. Er symbolisiert uns, die wir diesem Glaubens­geheimnis der Menschwerdung staunend, aber mit offenen Sinnen begegnen sollen. Josef und uns wird verkündigt, dass Jesus, der Sohn der Jungfrau Maria, das Geschenk Gottes schlechthin ist. Gott hat einen neuen schöpferischen Akt gesetzt: wie in der Schöpfung ist der Geist Gottes auf Maria gekommen. Und der Name Jesus – Jahwe rettet – bedeutet, dass Gott in Jesus selbst unter uns ist: Immanuel, Gott mit uns. So, wie Josef, können auch wir nur staunend und dankbar diesem Geheimnis begegnen.

„Seid barmherzig, wie auch euer Vater im Himmel barmherzig ist“ – sagt Jesus. Unsere Gottesbilder sind von dem geprägt, wie wir unsere Eltern erfahren haben. Jesus hat offenbar auch an Josef erfahren, was es bedeutet, „gerecht“ zu sein: dass das eigentliche Gerechtsein an Gott Maß nimmt. Barmherzigkeit ist nicht nur ein Jahresthema, zu dem uns der Papst vor fast fünf Jahren eingeladen hat, sondern der Dauerauftrag Gottes an uns, die wir Christen sein und werden wollen.

Wir leben in einer zunehmend anonymer werdenden Gesellschaft. Vor lauter Individualismus und Datenschutz haben wir füreinander keinen Namen mehr und sind damit nicht mehr ansprechbar. Gott aber hat seinen Namen dem Mose genannt: „Jahwe – ich bin da für euch“, und sein Sohn hat einen Namen, Jesus, er ist der „Immanuel. Gott-mit-uns“. Wir haben als Christen den Auftrag, so wie Josef diesen Namen und die damit verbundene Frohe Botschaft öffentlich zu machen. Dazu gehört auch, dass wir uns bemühen, füreinander einen Namen zu haben.

Und schließlich – auch das haben wir im Advent unserer Zeit publik zu machen: bedenken wir, aus welchem Volk Jesus, dessen Geburtstag wir feiern werden, gekommen ist und dass die Juden im Glauben unsere älteren Geschwister sind.

Der heurige Advent war sehr intensiv und kurz. Nützen wir die beiden letzten Tage vor dem Fest der Menschwerdung Gottes, uns wie der hl. Josef für die frohmachende und befreiende Botschaft Jesu Christi offen zu werden.

Amen.



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