© Foto Brunnthaler

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Conrad Laib

KREUZIGUNG MIT (IM) GEDRÄNG, 1457

Öl auf Kastanienholz, 269 x 275 cm

Datiert (auf der Fahne) und signiert (auf Feldflasche und Schwertscheide)

Das Kreuzigungsbild von Conrad Laib ist das einzige erhaltene Ausstattungsstück der Ägydiuskirche aus der Zeit Kaiser Friedrichs III. (nachweislich befanden sich hier 12 gotische Altäre).

Geschichte

Vermutlich handelt es sich um das Altarbild des Lettners (einem emporenartigen Aufbau zwischen Chor und Langhaus), der 1616 abgebrochen wurde. Nach 1773 entdeckte der Kirchenrektor das Bild zerteilt auf dem Dachboden der Kirche und ließ es instand setzen. In der Folge gab es verschiedene Aufstellungsplätze in der Kirche. Die letzten 20 Jahre befand sich das Tafelbild zur Generalrestaurierung in Wien. Seit 2003 neuer Aufstellungsort in der Friedrichskapelle (die ehemalige Herrscherempore, von der aus Kaiser Friedrich an der Messe teilnahm).

Künstler

Conrad Laib stammte aus Esslingen in Schwaben. 1448 erhielt er das Bürgerrecht in Salzburg. Das im Belvedere Wien befindliche Kreuzigungsbild (179x179) von 1449 dürfte aus dem salzburgischen Bereich stammen. Tafelbilder aus seiner Hand haben sich auch in Venedig und Padua erhalten. Sein letztes bekanntes Werk ist der Flügelaltar der Stadtpfarrkirche in Pettau (Ptuj), um 1460.

Bildinhalt

Die Kreuzigung Christi ist hier mit viel Volk dargestellt (an die 80 Köpfe wurden gezählt). Dieser Bildtypus entstand erst im 15. Jahrhundert und wird als Kreuzigung „mit oder im Gedräng" bezeichnet. Seine Wurzeln liegen in den für das späte Mittelalter charakteristischen Passionsspielen, die unter großer Anteilnahme des Volkes aufgeführt wurden.

Die drei T-förmigen Kreuze ragen hoch über der dicht gedrängten Menschenmenge empor. Christus ist mit drei Nägel gekreuzigt, die beiden Schächer (mittelhochdeutsches Wort für Räuber) sind ans Kreuz gefesselt. Während der Schächer zur linken Jesus am Kreuz verspottet, weist ihn der andere zurecht und bittet Jesus, seiner im Himmelreich zu gedenken („Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein"). An der linken Bildseite sind Jesu Mutter Maria, der Lieblingsjünger Johannes und die in den Evangelien erwähnten Frauen schmerzvoll zu Boden gesunken. Maria Magdalena, die Jesus getreu bis zum Tod am Kreuz folgte, klammert sich an den Kreuzesstamm. Daneben wird dem dürstenden Gekreuzigten mit einer Stange der in Essig getränkte Schwamm gereicht. In der Zuschauermenge dominieren zwei Reiterfiguren - der römische Soldat Longinus, der die Seite Jesu mit der Lanze durchstößt, und der Centurio (Hauptmann), der die Kreuzigung überwacht (der Überlieferung nach erkannten sie in der Stunde des Todes den Gottessohn und wurden später Christen).

Stil

Das Tafelbild steht am Umbruch von der Spätgotik zur Renaissance. Der goldene Brokathimmel, die ineinander fließende Figurenmenge wie auch die Raumanordnung stehen noch in der Tradition der Gotik. Zukunftsweisend zeigen sich die ausdrucksstarken Persönlichkeiten mit individuell ausgeprägten Charakterzügen. Die verkürzt dargestellten Pferde lassen auf eine Kenntnis der italienischen Malerei des frühen Quattrocento schließen.

Wertung

Wegen seiner außergewöhnlichen Größe und seiner hohen Qualität stellt das Kreuzigungsbild eines der wertvollsten Tafelgemälde Österreichs dar. In kaum einem anderen spätgotischen Tafelgemälde zeigt sich so markant der epochale Umbruch von der Gotik zur Renaissance.





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