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Zur Dommusik in der steirischen Kathedralkirche

Laudate Dominum in sanctuario eius (Psalm 150)

Lobet Gott in seinem Heiligtum!

Im letzten Psalm, dem großen Finale des Halleluja-Jubels, ruft der Psalmist zum Lobpreis Gottes auf. Alle Instrumente sollen aufgeboten werden: Hörner, Harfe und Zither, Pauken, Flöte und klingende Zimbeln.

Dieser Aufruf gilt auch uns, wenn wir Gottesdienst feiern. Musik und Gesang sind Liturgie, und wir als Gemeinde sind ihre Träger. Wenn meine Stimme im Chor der anderen aufgeht, dann geschieht an uns Gemeinschaft. Im Gesang dankt und bittet, lobt und preist die versammelte Gemeinde den Herrn in seinem Heiligtum. Folgerichtig hat das II. Vatikanische Konzil in der Kirchenmusik einen vorrangigen Ort für die tätige Teilnahme der Gläubigen gesehen.

Wie steht es aber dann um die großen durchkomponierten Messen, deren Ausführung Chören, Solisten und Instrumentalisten übertragen werden muss? Provokant auf den Punkt gebracht: Kirche oder Konzertsaal? Darüber entscheidet jeder Einzelne! Das Maß meiner inneren Aufmerksamkeit wird zum Maß meiner Teilnahme. Wenn wir dazu bereit sind, lässt uns die Musik die Lider schließen und wir können mit dem Herzen sehen. Und nur das Herz erkennt das Heilige. Es sind dann auch unsere Tränen, es ist dann auch unsere reuevolle Sehnsucht nach Gott, die der Komponist im Kyrie vertont hat. Und wenn die Musik im Gloria und Halleluja in sich steigernden Kaskaden förmlich bersten möchte, dann erahnen wir etwas von der überquellenden Freude Gottes, aus der heraus er die Welt erschuf.

Dann bekennen wir in der Mitte des Credo die Mitte des Heilsgeschehens:
Leiden, Tod und Auferstehung Christi. Nur Schweigen und Musik können die Einsamkeit Christi am Kreuz zum Ausdruck bringen. Manche Vertonungen lassen uns geradezu das innere Schaudern Gottes spüren. Wer mit offenem und bereitem Herz den Gottesdienst mitfeiert, dem wird auch die „Aufführung“ von Kirchenmusik niemals den Zugang zu Gott erschweren, sondern ihm die Heilsgeheimnisse und heiligen Zeichen tiefer erschließen; sie wird ihn mitreißen zum Lobe Gottes, zum großen Halleluja!

Mag. Bernd Oberndorfer





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