Leben für Hoffende

Liebe Steirerinnen und Steirer!
Wir feiern Ostern - den Höhepunkt unseres christlichen Glaubens. Zu Ostern ist Jesus auferstanden. Der Tod ist nicht mehr das Ende des Lebens, sondern das Ende des Sterbens auf dieser Welt. Somit können und dürfen wir alle immer hoffen, dass es gut wird - mittendrin in unserer bewegten Zeit.
- Vor 80 Jahren endete der Zweite Weltkrieg. Dankbar blicken wir auf friedvolle Jahrzehnte in Österreich und Europa zurück. Dieses Jubiläum stellt den Frieden in den Mittelpunkt - ein Friede, der fragil ist, wenn man auf die dramatischen, weltweiten Entwicklungen blickt. Das Aufrüsten vieler Staaten zeigt, dass die Friedensordnung bedroht ist. Es gilt, das Reden, das Denken, ja die ganze Erde abzurüsten, weil Krieg keine Lösung für Konflikte bringt - so jedenfalls hat es Papst Franziskus in einem Brief aus dem Krankenhaus vor einigen Wochen geschrieben. Wahrer Friede meint nicht nur die Abwesenheit von Krieg und Gewalt, sondern gründet vor allem auf Gerechtigkeit und Solidarität. Leben wir Frieden!
- Vor 70 Jahren wurde der österreichische Staatsvertrag unterzeichnet. Er ist die Grundlage für unser heutiges Österreich, das nicht nur von Verträgen getragen ist, sondern vor allem vom gesellschaftlichen Miteinander. Leben wir Solidarität - für benachteiligte Menschen in unserem Land und darüber hinaus!
- Vor fünf Jahren standen wir am Beginn der weltweiten Coronapandemie und haben Ostern ohne öffentliche Gottesdienste gefeiert. Einsamkeit, Krankheit, Existenzängste und Verluste prägten viele. So manche leiden auch heute noch an den Folgen. In der Begleitung ist uns als Kirche manches gelungen, manches hätten wir besser machen können. Wichtig scheint mir, nicht den Zeigefinger aufeinander zu richten, sondern einander zu vergeben. Leben wir füreinander!
- Vor 1.700 Jahren fand das erste Ökumenische Konzil in Nizäa statt - eine untergegangene Stadt in der heutigen Türkei. Auf dieser Versammlung der Christenheit ging es um die Frage, wer Jesus sei. Ist er Mensch, ist er Gott - oder ist er beides? Das Ergebnis ist das Glaubensbekenntnis, das wir heute noch beten: Jesus ist Mensch und Gott. Damit sagen wir unter anderem, dass Gott nicht fern von uns Menschen und von unserem Schicksal ist, weil er doch selbst einer von uns geworden ist. Leben wir Gottvertrauen!
- Vor 60 Jahren endete das Zweite Vatikanische Konzil in Rom. Es galt, die Kirche als gemeinschaftlich pilgerndes Volk Gottes im Heute unserer Welt vertieft zu bedenken. Mit dem Begriff "Synodalität" hat Papst Franziskus der Weltkirche eine Erneuerung in diesem Sinn mitgegeben. Leben wir so Kirche! Hören wir einander vorurteilsfrei zu, indem wir andere Meinungen anerkennen. Der Auferstandene ist unser aller Orientierung, und zu ihm hin sind wir alle unterwegs. Auf unterschiedlichen Wegen, dennoch aber gemeinsam; nicht als Einzelgängerinnen und Einzelgänger. Die Beratungen der Diözesankonferenz haben dies zu leben versucht. Das war ein hartes Ringen, in dem wir letztendlich ein wahrlich schönes Stück weitergekommen sind. Nunmehr gilt es, die Ergebnisse in den Alltag unseres Lebens mitzunehmen.
Wir feiern heuer Ostern, das Fest des Lebens, in einem "Heiligen Jahr", das uns alle als "Pilger der Hoffnung" ausweist. Angesichts vieler Herausforderungen ist es gewiss nicht immer einfach, die Hoffnung zu bewahren. Ostern scheint mir hierfür Grund und Antwort zu sein: Blicken wir gerade deshalb hoffnungsvoll in die Zukunft! Leben wir Ostern! Das ist der Lebensstil, den die Welt gerade heute braucht. Mit der Weihe von Johannes Freitag zum Auxiliarbischof wird unserer Diözese ein weiteres Hoffnungszeichen geschenkt. Begleiten wir ihn und sein Wirken mit unserem Gebet!
Ja, das Leben ist stärker als der Tod. Wir haben allen Grund zu hoffen, weil Christus, der Herr, mit uns unterwegs ist. Tun wir unseren Teil für ein gutes Miteinander in Frieden und Solidarität.
Ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben ein gesegnetes Osterfest!
Wilhelm Krautwaschl, Diözesanbischof