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Inhalt:
Osterzeit

Lass die österliche Freude in uns fortdauern!“

Predigt von Prälat Heinrich Schnuderl am 3. Sonntag der Osterzeit, 4. Mai 2025

Sant'Apollinare Nuovo, Ravenna - Der wunderbare Fischzug (Mosaik um 520) | Foto Christian Brunnthaler

„Lass die österliche Freude in uns fortdauern!“ – So haben wir in der Oration am Beginn der heiligen Messe gebetet. Die liturgischen Zeichen, aber auch das Brauchtum sollen die österliche Freude in uns wachhalten, damit auch wir Christus, den Auferstandenen, als unseren Freund und Bruder, als unseren Herrn und Gott erkennen und mit dem Apostel Johannes die freudige Erfahrung machen können: „Es ist der Herr!“

  1. Die Kirche in ihrer Liturgie ist realistisch: die großen Feste liegen hinter uns, der Alltag hat uns wieder und damit auch die Aufgaben und Sorgen unseres gewöhnlichen Lebens. Die Bitte um die Fortdauer oder sogar Wiederbelebung unseres Osterglaubens ist daher angebracht.

Das heute verkündigte Evangelium zeigt uns, dass auch schon die ersten Jünger eine solche Erneuerung ihrer Ostererfahrung gebraucht haben. Wir kennen die Evangelien, die von den Begegnungen der Jünger mit dem auferstandenen Herrn in Jerusalem oder im Umfeld der Heiligen Stadt erzählen – bei Lukas und Johannes. Die älteren Traditionen, die Markus und Matthäus bezeugen, berichten auch davon, dass die Jünger nach Galiläa zurückgehen sollen, wo ihnen der Auferstandene erscheinen werde (Mk 16,7; Mt 28,10).

Das Johannesevangelium hatte ursprünglich mit der Perikope von der Begegnung Jesu mit Thomas geendet. Was wir heute gehört haben, ist ein Nachtragskapitel mit sehr alten Überlieferungen, die man später gefunden und eingefügt hat und den Gemeinden nicht vorenthalten wollte.

  1. Aus der Geschichte von den Emmaus-Jüngern wissen wir, dass Freunde Jesu trotz der ersten Meldungen von Jesu Auferstehung aus Jerusalem geflohen sind. Viele Anhänger Jesu sind nach dem Karfreitag nach Galiläa zurückgekehrt.

Das Johannesevangelium berichtet, dass auch die Jünger des engsten Kreises um Jesus - Petrus, die Söhne des Zebedäus und andere von seinen Jüngern – zunächst nicht gewusst haben, was sie nach den ersten Erscheinungen Jesu tun sollten. Sie sind zurückgekehrt an ihren Wohnort am See von Tiberias „und Simon Petrus sagte zu ihnen: ‚Ich gehe fischen‘.“ Sie haben also Zeit gebraucht, um das Erfahrene zu verkraften: dass Jesus sich ihnen geoffenbart hat, dass er sie gesendet und ihnen gesagt hat: „Empfanget den Heiligen Geist!“ – Sie haben Zeit gebraucht, zu begreifen, dass sie das Werk Jesu weiterführen sollten.

Es ist erstaunlich, dass auch sie, die doch mit Jesus längere Zeit unterwegs waren, ihn nicht gleich erkannt, sondern ihn wie Maria Magdalena und die Emmausjünger zunächst als Fremden wahr-genommen haben. Auferstehung ist nicht eine Wiederbelebung, eine Wiederkehr in das bisherige Leben, sondern eine Verwandlung. Und doch: indem Jesus zum Vater geht, bleibt er bei uns und nimmt uns mit zu seinem Gott.

  1. Und in neuer Weise ereignen sich Erfahrungen, die sie mit Jesus schon vor dem Karfreitag gemacht haben: der Auftrag, das Netz auszuwerfen; ein Netz, das nicht zerreißt; ein reicher Fischfang; das Mahl, zu dem Christus lädt.

Das Evangelium verkündet hier Wesen und Aufgabe der Kirche: Kirche ist vergleichbar mit einem Schiff und einem Netz, die die Aufgabe haben, Menschen zum Leben aufzufangen. Dabei hat die Zahl 153 sicher eine theologische Bedeutung. „Nach Hieronymus unterscheiden die Zoologen des Altertums 153 Gattungen von Fischen.“ Und das heißt: „Im Netz des Petrus findet sich die neue Menschheit aus Juden und Heiden, Freien und Sklaven, Reichen und Armen, Männern und Frauen.“[1] - Und auch jetzt, nach seiner Auferstehung, ist es Christus, der Herr, der die Seinen zum Mahl einlädt und sie wunderbar speist.

Kommen wir noch einmal zurück zur erstaunlichen Meldung, dass die Jünger den Auferstandenen zunächst nicht als ihren Jesus, dem sie nachgefolgt waren, erkannt haben. Erinnern wir uns an die Gerichtsrede bei Matthäus und die Frage, die dem Menschensohn gestellt wird: „Wann haben wir dich hungrig, durstig, fremd oder nackt, krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen?“ Und Christi Antwort ist: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,31-46). Jesus, der Auferstandene, begegnet uns als der Fremde in unseren Nächsten, besonders in den Armen, Menschen in Nöten. Sie sind ein Sakrament seiner Gegenwart.

„Lass die österliche Freude in uns fortdauern!“ – indem wir die Sendung der Kirche, unsere Berufung und die Gegenwart des Herrn dort, wo Menschen in seinem Namen beisammen sind, annehmen, wird sich auch die österliche Freude durch den Geist in uns einstellen.

 

[1] O. Knoch, in: Unsere Hoffnung. Gottes Wort, Frankfurt 1988, S. 216.

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