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Inhalt:
Predigt

Jesus war weder ein Narr noch ein Rebell, aber offenbar beiden zum Verwechseln ähnlich.

Predigt von Prälat Dr. Heinrich Schnuderl zum 20. Sonntag im Jahreskreis am 17. August 2025.

Lesungen: Jer 38,4-6.7a.8b-10; Hebr 12,1-4; Lk 12,49-53;

Battistero di San Giovanni, Padova | Foto Christian Brunnthaler

Es gibt Bibelstellen, denen man – auch als Prediger – gerne ausweicht, z.B. viele alttestamentliche Perikopen, bei denen wir uns schwer tun, darin die Botschaft für uns und unsere Gemeinden zu entdecken. Aber auch das gerade verkündete Evangelium gehört dazu – und das in einer Zeit schwelender Kriegsgefahr, bzw. angesichts schon seit Jahrzehnten andauernder Terrorakte und Zerstörungen. Mit Jesus und seiner Botschaft verbinden wir eher die weihnachtliche Verheißung vom „Frieden den Menschen seiner Gnade“ (Lk 2,14) und sein Wort beim letzten Abendmahl, an das wir in fast jeder Messe erinnert werden: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch“ (Joh 14,27).

  1. Wie so oft gilt auch hier: wir sollen nicht einzelne Worte isolieren und herauspicken, sondern sie aus dem Gesamten des Evangeliums zu verstehen trachten. Da gibt es freilich Spannungen – und solche Spannungen sind auch „spannend“.

Ja: Jesus spitzt das Gebot der Liebe zu den Nächsten zu: auch unsere Feinde sollen wir lieben, Gutes tun denen, die uns hassen! (Lk 6,27). – Aber: Jesus nimmt also an, dass wir auch Feinde haben können. - Und dann diese Worte heute: „Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, sondern Spaltung“ – und das beginnt im engsten Kreis der Familie.

Nicht nur beim Versuch, für Jesus einen aus der Religionsgeschichte ableitbaren angemessenen Titel oder Begriff zu finden – Religionsstifter, „Heiland“, oder sogar „Messias-Christus“ -, sondern auch in der Frage seiner Friedensbotschaft entdecken wir, dass Jesus alle unsere Vorstellungen sprengt. Johannes Baptist Metz, der Fundamentaltheologe, hat einmal geschrieben: „Jesus war weder ein Narr noch ein Rebell, aber offenbar beiden zum Verwechseln ähnlich.“[1]

  1. In einer frühchristlichen Schrift, dem apokryphen Thomas-Evangelium, findet sich das möglicherweise wörtliche Jesus-Wort, das auch der frühchristliche Theologe Origenes zitiert hat: „Wer mir nahe ist, ist dem Feuer nahe!“[2]

Dieses Logion erinnert sehr an den Satz im heute verkündeten Evangelium: „Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!“ Auch dieses Wort kann irritieren – wenn wir an die Verwüstungen durch Brandkatastrophen und Kriegszerstörungen denken. Aber es verweist uns vor allem auf die Offenbarung Gottes an Mose aus dem brennenden Dornbusch (Ex 3,1 – 4,17). Blaise Pascal hat seine Gotteserfahrung auf einem in seinen Mantel eingenähten Pergament als ständiges „Memorial“ niedergeschrieben: „Feuer. Gott Abrahams, Gott Isaaks, Gott Jakobs, nicht der Philosophen und Gelehrten. Gewissheit, Empfindung, Freude, Friede, Gott Jesu Christi…“[3]

Feuer ist wärmend, gibt Licht; Feuer deutet an die leidenschaftliche Erfahrung von Liebe, ist aber auch ein Zeichen für Gericht, Läuterung wie beim Herausschmelzen von Edelmetall und Symbol für eine klare Entscheidung. Jesus versteht sich als solches Feuer – er ist in Person die Begegnung mit dem Heiligen.

  1. Das schon eingangs erinnerte Wort Jesu in der Abschiedsrede: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch“, ist im Johannesevangelium mit einer Klarstellung verbunden: „nicht wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch.“

Das im heute gehörten Evangelium überlieferte Wort - „Meint ihr, ich sei gekommen Frieden auf der Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, sondern Spaltung!“ – richtet sich gegen ein oberflächliches und falsches Gerede von Frieden.  Im biblischen Sprachgebrauch ist mit Schalom nicht nur die Abwesenheit von Krieg und persönlicher Feindschaft gemeint, obwohl dies eine Voraussetzung für den Frieden ist, sondern wird als Fruchtbarkeit, allgemeine Wohlfahrt, als große Versöhnung von menschlicher Gesellschaft und Natur und als göttliche Gabe verstanden.

Gemeint ist der Friede als Anwesenheit der neuen Welt, die mit der Gegenwart Jesu in uns beginnt,[4] und Gerechtigkeit, Freiheit, Achtung der menschlichen Würde und Einsatz für Gottes gute Schöpfung und ihre Bewahrung für die Zukunft einschließt und umfasst.

Wer sich für einen solchen Frieden einsetzt, muss auch mit Widerstand rechnen und wurde und wird als Unruhestifter angesehen – „in jener Zeit“ und heute. „Christus Jesus ist unser Friede“ (Eph 2,14).

 

[1] Beschluss der Gemeinsamen Synode der Bistümer in der BRD, Unsere Hoffnung, III/1, Würzburg 1975;

[2] Thomas-Evangelium, Logion 82;

[3] B. Pascal, zit. bei R. Guardini, Christliches Bewusstsein, München 1950, S.47; bzw. a.a.O. Erstes Kapitel. Das Memorial. Die religiöse Entscheidung im Leben Pascals, S. 27-61;

[4] Vgl. J. Blank, Das Evangelium nach Johannes, Teil 2, Band 4,2, Düsseldorf 1977, S.130-140,

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