Chiemsee-Messe – Missa in honorem Sanctae Ursulae

Laut Autograph beendete Johann Michael Haydn am 5. August 1793 die Missa in honorem Sanctae Ursulae in C-Dur MH 546. Sie nimmt in seinem Werk von über 30 Vertonungen des lateinischen Oratoriumtextes eine herausragende Stellung ein. „In der liedhaften Melodik, der Einheit des motivischen Materials und dem ausgewogenen Zusammenklang von festlichen und verinnerlichten Abschnitten zählt die Messe zu Haydns gelungensten und inspiriertesten Werken.“ (Charus-Verlag)
Sie kann als der Tyus der „missa solemnis“ bezeichnet werden. Haydn hat sie zusätzlich zum Salzburger Kirchentrio mit zwei Chlarintrompeten und Pauken besetzt und stellt sich als den Meister der Ausgewogenheit zwischen Ausdruck, Funktion und Form vor. Die Chiemsee-Messe gehört zu seinen reiferen geistlichen Kompositionen, zeigt seine Fähigkeit, liturgische Funktion und musikalische Qualität zu verbinden und steht neben anderen bedeutenden Messen wie der „Requiem“-Vertonung MH 155.
Woher kommt eigentlich der Name Chiemsee-Messe? Haydn hat sie für eine Nonne im Kloster Frauenwörth im Chiemsee komponiert, näherhin für die musikbegabte Nonne Maria Sebastiana mit Taufnamen Ursula Anna Josepha Oswald. Im Volksmund wurde sie Chiemsee-Messe genannt. Obwohl Haydn die Drucklegung seiner Werke ablehnte, verbreitete sie sich rasch durch Abschriften in bayrischen, böhmischen und österreichischen Klöstern.



