Messe für 24 Stimmen von Anibale Padovano - ein Projekt

Besucher des Grazer Doms staunten sehr über die Installation eines großen Gerüsts, auf dem eine kleine Orgel platzliert war. Was könnte dies sein? Wird wieder renoviert? Nein, es diente der Musik für den Gottesdienst.
Während der Abendmesse am 11. Mai 2026 wurde die Messe von Anibale Padovano für 24 Stimmen intoniert. Ein Ensemble der Kunstuniversität Graz, die Schola Cantorum Basiliensis sowie Gastmusiker*innen musizierten unter der Leitung von Bernhard Rainer.
Das Besondere dabei war nicht nur die alte Musik, sondern die Andeutung eines Lettners mittels eines Stahlgerüstes. Der Begriff Lettner stammt wahrscheinlich vom lateinischen lectorium („Ort des Lesens“), weil dort Lesungen oder Gesänge vorgetragen wurden. Ein Lettner kennzeichnete innerhalb einer mittelalterlichen Kirche die Trennung des Chorraums vom Langhaus. Er kam besonders in katholischen Kirchen des Mittelalters vor, so auch im 17. Jahrhundert in der ehemaligen Hofkirche in Graz.
„Anibale Padovano (* 1527 in Padua; † 15. März 1575 in Graz) war erster Organist von 1552 bis 1565 am Markusdom in Venedig. Anschließend war er zunächst als Organist am Hof von Erzherzog Karl in Graz tätig. Hier organisierte er die Hofmusik neu und folgte ab 1570 Johannes de Cleve (1528/29–1582) als Hofkapellmeister nach.
Der Komponist veröffentlichte mehrere Toccaten und Ricercare für Orgel und Orchester, sowie zahlreiche Kirchenmusikstücke und Madrigale.
Padovanos 24-stimmige Messe, ist eine der monumentalsten Kompositionen des 16. Jahrhunderts. Das in drei jeweils achtstimmige Chöre strukturierte Stück wurde speziell für die Aufführungssituation in der Grazer Hofkirche konzipiert. Chor 1 und Chor 3 musizierten von den zwei Emporen im Presbyterium und Chor 2 vom Lettner auf dem bis 1602 auch eine Orgel errichtet war.“ (aus der Einladung zum Gottesdienst)
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