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Inhalt:

Maria - Zeichen der Hoffnung

Predigt von Prälat Heinrich Schnuderl zum Hochfest Mariä Himmelfahrt, 15. August 2026

Ägydiusdom_Graz_Hochaltar | Christian Brunnthaler

„Siehe, von nun preisen mich selig alle Geschlechter!“ Ja: seit Jahr-hunderten wird, wenn gläubig das Evangelium gehört und gelesen wird, auch dankbar der Mutter Jesu gedacht und sie geehrt. In Graz sind mehrere Kirchen und Kapellen dem Inhalt des heutigen Festes gewidmet: die gotische Franziskanerkirche, die Stadtpfarrkirche mit dem Bild von der Legende vom leeren Sarg Mariens; sogar im Landhaus in der Herrengasse befindet sich eine Kapelle mit dem Altarbild „Mariä Himmelfahrt“. In unserer von den Jesuiten ausgestatteten jetzigen Domkirche finden wir auf dem Hochaltar eine Darstellung der Krönung Mariens durch die heiligste Dreieinigkeit.

Das Fest „Mariä Aufnahme in den Himmel“ – in Österreich kurz „Mariä Himmelfahrt“ genannt – gilt zwar als Symbol der katholischen Reaktion auf die protestantische Reformation; tatsächlich ist es seit dem 16. Jahrhundert besonders betont worden. Aber ein Fest zur „Entschlafung Mariens“ gibt es im Osten seit der frühen Kirche und eine Feier der Aufnahme Mariens in den Himmel wird im Bereich der römischen Kirche spätestens seit dem 7. Jahrhundert begangen. Übrigens: auch von Martin Luther gibt es etwa 80 Predigten zu diesem Festgeheimnis.

  1. Mariä Himmelfahrt hat mit dem Zentrum unseres Glaubens zu tun: dem Glauben an die Auferstehung Jesu Christi und dem Glauben an die Auferstehung der Toten.

Seit der Auferweckung Jesu und seiner Erhöhung in den Himmel bedeutet Himmel, dass wir Menschen in Gott, bei Gott Platz haben. Wir Christen glauben, dass der Tod kein Verlöschen, keine Wiederkehr in anderen Lebewesen, kein Aufgehen in ein größeres Ganzes unter Verlust unserer Identität ist, sondern dass wir von Gott zu einem ewigen Leben als Menschen berufen sind – weil Gott, der mächtiger ist als der Tod, uns kennt und liebt, auch über unseren Tod hinaus.

  1. Was macht das Besondere des Festes von Mariä Himmelfahrt aus? Gerade diese Zusammengehörigkeit von Himmel und neuer Nähe!

Ewiges Leben bedeutet Vollkommenheit in der Liebe, also nicht Absonderung, Rückzug, sondern eine neue Beziehung – auch zu uns. In der Begräbnisliturgie beten wir: „Deinen Gläubigen, o Herr, wird das Leben, gewandelt, nicht genommen!“ Maria, die durch die Gnade Gottes vollkommen Glaubende und Liebende, bleibt uns verbunden. Dadurch ist sie uns ein „Zeichen der Hoffnung“, wie wir an ihrem Hochfest beten.

  1. „Ich glaube an die Auferstehung der Toten und das ewige Leben“: so sprechen wir an jedem Sonntag in der ältesten Formel des Apostolischen Glaubensbekenntnisses.

Tatsächlich haben aber viele auch bekennende Christen ihre Probleme damit und weichen auf andere Vorstellungen von dem, was nach dem Tod kommt, aus – auf Reinkarnation oder ähnliche in anderen Religionen entwickelte Jenseitsbilder. Viele unserer Zeitgenossen lehnen ein Jenseits des Todes überhaupt ab: Tod bedeute das absolute Ende. In der Lesung haben wir aber heute gehört: „Christus ist von den Toten auferweckt worden“ – und – „in Christus werden alle lebendig gemacht werden.“

Der Glaube an die Auferstehung ist untrennbar mit unserem Glauben an Gott verbunden: Jesus hat in seiner Auseinandersetzung mit den Sadduzäern, die den Glauben an die Auferstehung abgelehnt haben, auf die Offenbarung Gottes an Mose erinnert: „‚Ich bin der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs.‘ Er ist nicht ein Gott von Toten, sondern von Lebenden; denn für ihn leben sie alle“ (Lk 20,38).

Vielleicht kommt die heutige Glaubensunsicherheit daher, dass wir zu wenig bedacht haben, dass Ewiges Leben nicht einfach eine Verjenseitigung des irdischen Lebens ist. Ewiges Leben heißt nicht, dass das bisherige Leben endlos weitergeht. Ostern heißt neuer Mensch und neue Schöpfung.[1] Paulus musste den Korinthern gegenüber auch zur Frage „Wie werden die Toten auferweckt, was für einen Leib werden sie haben?“ Stellung beziehen; und er hat geantwortet: „Auch das, was du säst, ist noch nicht lebendig, wenn es stirbt…. Gesät wird ein irdischer Leib, auferweckt ein überirdischer Leib“ (1 Kor 15,35.44).

In den Seligpreisungen der Bergpredigt hat Jesus das Ziel des Menschen verkündet: das Leben in der Gemeinschaft mit Gott. Mit dem Blick auf Maria bekennen wir heute dankbar diese Grundwahrheit unseres Glaubens, die auch eine zentrale Wahrheit über den Menschen ist.

 

[1] Vgl. F. Kamphaus, Wenn Gott in die Quere kommt, Freiburg 2000, S. 44.

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