Giuseppe Verdi | Messa da Requiem

Solist:innen
- Sonja Šarić Kosovac, Sopran
- Neira Muhić, Mezzosopran
- Jesús León, Tenor
- Wilfried Zelinka, Bass
Domchor | Domkantorei | Jugendkantorei am Dom | HIB.art.chor | Domorchester
Leitung
Domkapellmeisterin Melissa Dermastia
Verdi komponierte das Requiem zum Gedenken an den italienischen Schriftsteller Alessandro Manzoni und dirigierte die Uraufführung am 22. Mai 1874 in Mailand, dem ersten Todestag Manzonis.
Das Werk steht kompositorisch zwischen seinen späten Meisterwerken Aida (1871) und Otello (1887). Es zeigt Verdi auf dem absoluten Zenit seiner Fähigkeit, menschliche Emotionen durch Musik auszudrücken.
Verdi war kein strenggläubiger Katholik, sondern Agnostiker. Das Requiem ist daher weniger ein gottesdienstliches Werk als vielmehr eine tief humane, existenzielle Auseinandersetzung mit dem Tod, der Angst vor dem Jüngsten Gericht und der Sehnsucht nach Frieden.
Zeitgenossen wie Hans von Bülow betitelten das Werk kritisch als „Oper im Kirchengewand“. Heute gilt genau das als seine größte Stärke: Verdi nutzt die theatralischen Mittel der Oper, um die sakralen Texte mit einer bis dahin ungekannten Dramatik zu füllen. Johannes Brahms hat kurz und knapp erwidert: „Bülow hat sich unsterblich blamiert, so etwas kann nur ein Genie schreiben.“
Das Herzstück des Requiems ist das Dies irae (Tag des Zorns). Mit vier wuchtigen Tutti-Schlägen des gesamten Orchesters und des Chors peitscht Verdi die Apokalypse durch den Konzertsaal. Die Große Trommel ist dabei explizit so vorgeschrieben, dass sie „trocken und sehr laut“ geschlagen werden muss.
Um den Ruf des jüngsten Gerichts zu vertonen, positioniert Verdi zusätzlich zum normalen Orchester vier versteckte Trompeten im Raum (oft auf den Emporen). Der Sound schwillt im Dialog mit dem Hauptorchester zu einem überwältigenden, stereofonischen Klangteppich an.
Die vier Solisten (Sopran, Mezzosopran, Tenor, Bass) werden wie Operncharaktere geführt. Das Ingemisco (Tenor) erinnert an eine große leidenschaftliche Arie, während das Lux aeterna intime, fast kammermusikalische Züge trägt.
Das dramatische Thema des Dies irae kehrt im Laufe des Werkes mehrfach wieder. Es bricht als musikalisches Trauma immer wieder in Momente der Hoffnung ein und hält das Werk formal zusammen.
Das Werk endet nicht mit einem pompösen Halleluja, sondern mit einer dramatischen Flucht nach vorn. Der Sopran rezitiert fast panisch flüsternd, im Sprechgesang auf einem einzigen Ton, die Bitte um Rettung („Libera me, Domine“), bevor das Werk in einem extrem leisen (pianissimo) Akkord ersterbend verklingt.
CB