© Foto Christian Brunnthaler

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Eisernes Priesterjubiläum von Prälat Philipp Harnoncourt

14.07.2019

 

 

 

Bischofsvikar und Dompfarrer Dr. Heinrich Schnuderl

Predigt zum Eisernen Priesterjubiläum Univ. Prof. Prälat Dr. Philipp Harnoncourt am 14. Juli 2019 in der Katharinenkirche Graz

Liebe Schwestern und Brüder!
Liebe Gottesdienstgemeinde am Dom und hier am Mausoleum!
Liebe Verwandte und Freunde von Prof. Harnoncourt!
Lieber Herr Professor, lieber Philipp!

Eigentlich wolltest du heute bei deinem Eisernen Priesterjubiläum selbst die Predigt halten, und ich vermute, dass sich das auch viele der hier Anwesenden, deine Verwandten, Freunde, Schüler erwartet hätten. Aus verständlichen Gründen hast du mich aber gebeten, dir heute diese Aufgabe abzunehmen. Und ich fühle mich dadurch sehr geehrt.

Wenn bei einem solchen Anlass nicht der Jubilar, sondern ein anderer predigt, soll dieses Wort nicht vorerst eine Laudatio sein, für die es ja gute Gründe gibt, sondern verdeutlichen, dass auch der Priester, ob am Anfang seines Weges oder nach 65 Jahren, immer Hörer des Wortes bleibt – Adressat der Frohen Botschaft, Adressat auch der Anfrage und Herausforderung.

  1. In den 65 Jahren, seit dem 11. Juli 1954, als der damals neue Diözesanbischof Dr. Josef Schoiswohl zum ersten Mal die Priesterweihe in Graz gespendet hat, hat sich sehr Vieles verändert: in der Politik, in der Weltkirche, in Theologie und Liturgie, übrigens auch der Weiheritus. Auch das Priesterbild hat sich in diesen Jahrzehnten gewandelt. Und doch gibt es bei allem Wandel auch Kontinuität.

Beim früher viel gelesenen französischen Priester Ignace Lepp, einem Konvertiten, der seinen Weg „von Marx zu Christus“ niedergeschrieben hat, habe ich den Satz über seine Priesterweihe (im Jahr 1941) gefunden, der mich auch an meine Weihe vor 52 Jahren erinnert:

„Als ich die Menschen vor mir knien sah, die ich schätzte und von denen ich wusste, dass sie Gott um so vieles näher waren als ich, und die alle meine Freunde waren, wurde mir plötzlich bewusst, dass ich durch die Priesterweihe für mich selber ein Gegenstand des Glaubens geworden war.“

Dieses Wort steht durchaus in Beziehung zu dem seit dem Konzil sehr häufig zitierten Wort des hl. Augustinus:

„Wo mich erschreckt, was ich für euch bin, da tröstet mich, was ich mit euch bin. Für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ. Jenes bezeichnet das Amt, dieses die Gnade; jenes die Gefahr, dieses das Heil.“ (Sermo 40)

Dieses „Mit euch“ und „Für euch“ ist durch das Konzil wieder stärker betont worden: auch alle Getauften sind gesalbt worden, also Christen, und haben Anteil am Priestertum Jesu Christi. Das müssen wir im Glauben erst noch nachvollziehen. Der Dogmatiker Beinert hat es kurz gefasst: „Das entscheidend Neue (der Aussagen des Konzils) ist die bewusste Einordnung des Amtes in das Ganze der Kirche… Die Primärgröße in der Kirche ist nicht das Amt, sondern die Gemeinschaft aller Glaubenden."[1]

Bischöfe, Priester und Diakone stehen im Auftrag Jesu, des eigentlichen Priesters, im Dienst an der Kirche als Zeugen des Glaubens und bestellt zu Spendern der Sakramente. Und insofern auch der Kirche gegenüber. -

Ich erinnere an die Definition, die Josef Ratzinger vor Jahren für die sakramentale Wirklichkeit gefunden hat: „Sakrament heißt: Ich gebe, was ich selbst nicht geben kann; ich stehe in einer Sendung und bin zum Träger dessen geworden, was der andere mir übergeben hat.“[2] Auch diesen Auftrag müssen wir im Glauben immer wieder einholen.

  1. Dauer im Wandel: auch das ist geblieben, dass die Gläubigen und Gemeinden Priester wollen, für sie beten und um ihren Segen bitten. Ich denke an die Freude, die in diesen Wochen bei der Priesterweihe in Seckau und in den Pfarren, in denen Primizen gefeiert werden, erlebbar und spürbar ist. Auch wir sind dankbar und freuen uns, heute mit dir dein Priesterjubiläum feiern zu dürfen.

Für viele von uns bist du ein treuer Zeuge für die Wirklichkeit Gottes, du bist ihr Wegbegleiter zum und im Glauben, ein Zugang zur Gemeinschaft der Kirche geworden.

Nach deiner Weihe wurdest du, Herr Professor, Kaplan in Arnfels und Hartberg. Als Sekretär und Zeremoniär hast du Bischof Schoiswohl geholfen, seine Devise „Non recuso laborem“ – das „Ich scheue nicht die Arbeit“ - zu praktizieren. Danach warst du Rektor der Welschen Kirche am Griesplatz und Vorstand der Abteilung für Kirchenmusik an der Akademie für Musik und darstellende Kunst, aus der die jetzige Grazer Kunstuniversität hervorgegangen ist, und als Höhepunkt deiner akademischen Laufbahn hast du das Institut für Liturgiewissenschaft und Hymnologie an der Karl-Franzens-Universität begründet, das du durch viele Jahre geleitet hast.

Als Geistlicher Assistent des Katholischen Akademikerverbandes und als priesterlicher Hochschullehrer warst du und bist du immer auch Seelsorger für alle, die Dir begegnen. Lange Jahre hindurch warst du Vorstand der Diözesan­kommission für Liturgie und hast gemeinsam mit Prälat Lafer sowohl Geist als auch Form der Liturgie in unserer Diözese geprägt. Im Domkapitel warst Du Mitglied einer Priestergemeinschaft, die dem Bischof besonders verbunden ist und Mitverantwortung für die Leitung der steirischen Kirche trägt.

Der Ökumene bist du schon seit Deinem Studium verpflichtet - also zu Zeiten, in denen das Interesse eines Priesteramtskandidaten z.B. an evangelischer Theologie noch verdächtig war, sodass Du Dich vor Deiner Weihe noch dafür rechtfertigen musstest. Erst vor einigen Tagen hat mir jemand gesagt – „Der Philipp Harnoncourt ist der glaubwürdigste Ökumeniker in unserer Diözese“. Du wurdest zum Mitbegründer der Sektion Graz der Stiftung PRO ORIENTE, deren Ehrenvorsitzender du weiterhin bist; du warst langjähriges Mitglied der Ökumene-Kommission der Österreichischen Bischofskonferenz und des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich.

Für all das, worin du uns als Freund, Lehrer und Priester Impulsgeber und Wegbegleiter warst und bist, möchten wir dir heute von Herzen danken.

  1. „Was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben?“ – wir haben diese Frage des Schriftgelehrten heute im Evangelium gehört. Jesus hat nicht „von oben herab“ geantwortet, sondern darauf verwiesen, dass „das Wort ganz nah bei dir ist, du kannst es halten.“ Und doch sind wir immer von diesem Doppelgebot der Liebe zu Gott und zum Nächsten und dem Bild vom barmherzigen Samariter herausgefordert.

Dieses weithin bekannte Gleichnis enthält auch eine subtile Kultkritik und Anfrage, die wir uns als Priester gefallen lassen müssen: der Priester und Levit – auf dem Weg vom oder zum Tempeldienst - gehen an dem unter die Räuber Gefallenen vorüber.

Der hl. Benedikt, dessen Gedenktag wir gerade erst gefeiert haben, schreibt zwar in seiner Regel, dass dem Gottesdienst nichts vorgezogen werden darf[3]. Im Sinn dieses Gleichnisses ist die Liturgie aber immer offen für die Begegnung mit Christus auch in den Armen und Notleidenden. Da Gottesliebe und Nächstenliebe zusammengehören, sind auch Liturgie und praktizierte Nächstenliebe untrennbar miteinander verbunden. Walter Kasper hat es auf die Formel gebracht: „Der Glaube muss mystisch und sozial zugleich sein… Mystik ohne sozialen Einsatz wird elitär und steril. Sozialer Einsatz ohne Mystik wird flach und löst sich sehr schnell in einen allgemeinen Humanismus auf.“[4]

Die Kirchenväter haben schon sehr früh dieses Gleichnis auch heilsgeschichtlich gelesen und darin die Rolle Jesu erkannt: der unter die Räuber Gefallene ist Adam, der Mensch; der Priester und Levit stehen für Religionen, Kult und Gesetz, die am Menschen oft vorbeigehen. Der Samariter, der Fremde ist Jesus: er kommt, bleibt, rettet, gibt Öl und Wein, hilft, geht mit, kommt wieder. Er ist der eigentliche Priester. Wir können nur versuchen, ihm nachzufolgen im Geheimnis des Kreuzes, seiner Liebe.

Lieber Herr Professor, lieber Philipp! Du warst als Priester mit Jesu auf dem Weg und bist vielen ein barmherziger Samariter geworden. Durch Christus und mit ihm und in ihm hast du deinen Dienst geleistet und gibst Gott heute den Dank und die Ehre! Mit dir wollen wir heute danken, dass Christus dich in seine Nachfolge gerufen hat. Und betend wünschen wir Dir Gesundheit an Leib und Seele und in allem den Segen Gottes.

Amen.

 

[1] W. Beinert, Autorität um der Liebe will. Zur Theologie des kirchlichen Amtes, in: K. Hillenbrand, Priester heute. Anfragen, Aufgaben, Anregungen, Würzburg 1990, S. 46f;

[2] J. Ratzinger, Vom Wesen des Priestertums, in: Zur Gemeinschaft gerufen. Kirche heute verstehen, Freiburg 1991, S. 108

[3] Regel des Hl., Benedikt, Kap. 43;

[4] W. Kasper, Glaube: ein Geschenk zum Weitergeben, Ostfildern 1984, S. 44f.



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